An einem heißen Sonntagnachmittag, als die Nachmittagsrunde bei meiner Großmutter sich langsam in ein Nickerchen-Getümmel verwandelte, kam Anna, meine Cousine aus der Stadt, mit einer neuen Handtasche an. Sie setzte sich bewusst so, dass die Sonne die goldene Schnalle aufblitzen ließ, legte die Tasche auf den Stuhl rechts neben sich und tat so, als sei es reiner Zufall, dass niemand sonst einen so breiten Lederriemen besaß. Beim Kaffeetrinken nahm sie extra langsam einen kleinen Bissen Kuchen, um nicht wie jemand zu wirken, der Eile mit Arbeit verknüpft; stattdessen wirkte ihr Sitzen wie eine kleine Aufführung, eine demonstrative Unbeschäftigtheit, die mehr sagte als Worte.
Die Gespräche drehten sich weiter um Wetter und Nachbarschaft, doch jedes Mal, wenn Annas Tasche sichtbar wurde, schob sich ein Schatten von Bewunderung und Missgunst über die Runde. Meine Tante, die sonst sparsam redet, lobte beiläufig die Marke, als sei es eine Art Grußformel: „Ach, die hatten die jetzt auf der Messe…“ Mein Onkel nickte, als würde er ein altes Gesetz bestätigen. Ich dachte an das Wort, das mein ehemaliger Soziologieprofessor benutzt hatte — auffälliger Konsum — und sah, wie sich das Konzept ganz ohne Theorie in diesem kleinen Garten manifestierte: Die Tasche war weniger Behältnis als Botschaft, weniger Gebrauchswert als Insigne.
Später, beim Aufräumen, stellte ich fest, dass Markus, der Sohn der Nachbarin, einen sehr ähnlichen, aber sichtbaren günstiger produzierten Riemen trug. Er achtete darauf, das Armband seiner Uhr so zu drehen, dass es reflektierte. Es war offensichtlich kein Zufall, sondern eine leise Imitation, ein Versuch, in derselben Sprache zu sprechen. Ich beobachtete den feinen Tanz der Nachahmung: Wenn das Original das Signal aussandte, antworteten andere mit einer leicht abgeschwächten, doch eifrig bemühten Version derselben Geste. Pekuniäre Emulation, dachte ich flüchtig, ein Wettlauf ohne Startschuss, bei dem die Strecke aus Markenetiketten und Nichtstun besteht.
Meine Großmutter, die das alles mit einem halben Ohr verfolgte, murmelte etwas über Zeiten, in denen man Dinge benutzte, bis sie brachen. Sie hob die Teekanne, füllte ruhig noch eine Tasse und schüttelte den Kopf, nicht vor Verachtung, sondern als würde sie eine alte Gewohnheit beschützen: dass Arbeit und Nutzen noch einen Platz hatten neben all dem Gefunkel. Anna hingegen half nicht beim Abräumen; ihre Hände blieben auf dem Schoß, perfekt unbeschäftigt. Ich stand am Spülbecken, spülte und sah durch den Dampf, wie die Tasche in der Sonne blinkte und wie die Gruppe um diese kleine Leuchterscheinung herumlebte — eine winzige Landschaft von Rangzeichen und Nachahmung, die plötzlich so vertraut wirkte wie das Klirren des Porzellans.

