Ich stand an der Bäckerei-Schlange, die Tüten dampften, und vor mir argumentierte ein Mann mit sonorer Stimme über die Vorzüge seiner neuen Uhr, während seine Frau, kaum älter als ich, ein Foto davon machte und es an eine Gruppe schickte, die ich von früher kannte. Die Uhr glitzerte, nicht aus Bewunderung der feinen Mechanik, sondern wie eine Fahne, und als die Frau sich melancholisch über die Bohnenqualität des Kaffees beschwerte, bestellte der Mann extra noch ein Gebäck, das aussah, als sei es eigens dafür entworfen worden, Instagram-tauglich zu zerfallen. Auffälliger Konsum, dachte ich und war mir bewusst, dass das Wort meine Wahrnehmung nicht erfand, sondern beschrieb: Dinge werden hier nicht allein wegen ihres Nutzens getragen oder gegessen, sondern um zu zeigen, dass man es sich leisten kann, Zeit und Ressourcen für das Unnötige zu verschwenden.
Als ich draußen auf der Bank Platz nahm, zog der Geräuschteppich der Stadt kurzzeitig den Blick auf sich; die junge Mutter mit dem teuren Kinderwagen schob ihr Kind vorbei, und der Wagen war so poliert, dass man darin eher eine Liege für Status als für Säuglinge vermuten konnte. Neben ihr plauderte eine ältere Dame über die neue Ausstellung in einem Museum, in das man offensichtlich nur geht, wenn man etwas zu erzählen haben will. Ich erinnerte mich an einen Sommer bei meiner Großmutter, die eine einfache Uhr trug und nie erklärte, warum sie bestimmte Kleider bevorzugte; ihre Kleidung war bequem, nicht zur Schau gestellt. Heute aber schienen Kleidung, Cafés, Museen und sogar das Freizeitverhalten wie kleine Wappen, mit denen Menschen ihren Platz markieren.
Ein Junge in Turnschuhen mit auffälligen Logos rannte vorbei, stolperte und zog die Schuhe hoch, als würde er damit nächsten Monat schon wieder ein Zeichen setzen wollen; sein Vater hob ihn auf, nicht mit Zurechtweisung, sondern mit einer beiläufigen Bemerkung über die Marke. Es war ein kurzer Austausch, eine Geste der Anerkennung, die mir zeigte, wie tief diese Zeichen in den Alltag eingewoben sind: Gespräche werden aufgeladen durch Marken, Vorstellungen von Klasse und Möglichkeiten. Auffälliger Konsum ist hier kein theoretisches Konzept, sondern ein laufendes Gespräch, eine stille Sprache, mit der jeder Satz über das Leben zugleich eine Position einnimmt.
Als ich die letzten Krümel meines Croissants zusammenkehrte, merkte ich, dass ich den Impuls hatte, meine eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen: was mache ich aus Gewohnheit, was aus Bequemlichkeit und was, um einem unsichtbaren Maßstab zu genügen? Die Stadt atmete weiter, und um mich herum wurden Käufe, Blicke und Bemerkungen wie kleine Trommelschläge einer fortwährenden Konkurrenz vorgestern, ohne dass jemand laut erklärte, worum es ging.

