Samstagmorgen: Croissants, Instagram und der steife Mann, der wie eine Ausstellungspuppe wirkt – ein Blick auf unsere Selbstdarstellung!

Samstagmorgen: Croissants, Instagram und der steife Mann, der wie eine Ausstellungspuppe wirkt – ein Blick auf unsere Selbstdarstellung!

Der Samstagmorgenmarkt war voller Stimmen und Brotduft, aber was meine Aufmerksamkeit fesselte, war nur ein kleiner Fleck auf der Terrasse des Cafés: ein Mann in einem Mantel, so steif und makellos, dass er eher aussah wie eine Ausstellungspuppe als wie jemand, der durch Pfützen ging. Er hielt eine Tasse, die kaum angerührt wirkte, während seine Begleitung, eine Frau mit einer Tasche, deren Logo jeder im Umkreis erkennen konnte, mit gespielter Lässigkeit fotografierte, wie der Croissantflügel auf ihrem Teller im Morgenlicht schimmerte. Sie lächelte in die Kamera nicht, weil das Croissant besonders gut war, sondern weil das Bild später jemandem zeigen sollte, dass es ihr gut ging.

Ein paar Tische weiter diskutierte ein älterer Herr laut über den neuen Eigentümer eines Wohnblocks, wobei seine Betonungen wie Punkte funktionierten: „Renoviert hat er es nicht für die Bewohner, sondern fürs Ansehen.“ Niemand widersprach, aber alle hörten zu. Die Kellnerin balancierte Tabletts mit Getränken, deren Namen komplizierter klangen als die Zutaten; die Getränke schienen mehr dazu da, bewundert zu werden, als um den Durst zu löschen. Ein Kind, das neben mir saß, starrte fasziniert auf die glänzende Uhr eines jungen Mannes, als hätte dort etwas verborgen gezaubert; der Mann bemerkte den Blick und richtete die Uhr demonstrativ, als sei sie ein Stück seiner Identität, das man betrachten sollte.

Während ich an meinem einfachen Kaffee nippte, erinnerte ich mich an den Sommer, als unsere Straße eine neue Familie bekam. Am Sonntag trug die Frau des Hauses immer Weiß selbst bei Staub und Spielplatzschmutz; der Mann parkte den Wagen so, dass sein Chrom im Abendlicht wie ein Versprechen funkelte. Sie heißt niemanden wirklich willkommen, dachte ich damals, sie heißt ihr eigenes Spiegelbild willkommen. Die Kinder unserer Straße beobachteten sie und formten im Flüsterton Rankings, die niemand je laut aussprach.

Der Mantelträger stand schließlich auf, zog seinen Schal so, dass der Knoten auffiel, und ging langsam die Treppe hinunter, als wolle er sich vom Goetheplatz verabschieden. Seine Schritte waren mehr Dekoration als Fortbewegung. Die Frau mit der Logo-Tasche löste sich erst, als jemand ihren Post likete; dann lächelte sie richtig, kurz, wie eine Belohnung. Ich zog meinen Schal enger, nicht weil er schön aussah, sondern weil es kalt war, und fühlte dabei ein kleines, eigenartiges Vergnügen: warm zu sein, ohne etwas zu beweisen. Ein älterer Mann winkte mir zu, wir verstanden uns ohne Worte — zwei Menschen mit einfachen Dingen, die genug waren.

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